Toasted Bytes

MeeSha

Während unseren Bergungsaktionen haben wir uns natürlich auch den PC angesehen, obwohl er von außen betrachtet kaum Hoffnung machte. Dennoch haben wir ihn aufgeschraubt und sahen, dass die im PC verbauten Dämmmatten offensichtlich viel abhalten konnten, auch wenn die Innereien sehr verrußt und vom Löschwasser nass waren. Also haben wir Festplatten, CPU, Ram und die Audiokarte gesichert.

Ob Ram, CPU und Audiokarte noch laufen, wissen wir erst, wenn ein "neuer" PC am Start ist. Nach der Reinigung sehen die aber schonmal garnicht schlecht aus. Ganz im Gegensatz zu den Festplatten, welche auch nach dreimaliger besonders umweltfeindlicher Reinigung immer noch dreckig verrußt aussehen und nach gegrilltem Sofa mit Reis stinken. Bis zu 800°C sollen im Raum gewütet haben, wer weiß, bei wieviel Grad die Platten gebacken wurden...

Dennoch haben wir uns die eh schon vor dem Unglück geplante große Festplatte und ein Festplattendock gekauft, letzteres, weil ich das Risiko nicht eingehen wollte, die Stinker in einen funktionierenden PC zu bauen und damit einen fatalen Kurzschluss zu verursachen. 

Als dann endlich alles da war, konnte ich es nicht abwarten, einen Probelauf zu wagen, auch wenn ich erwartete, dass ich eines der typischen Geräusche höre, die tote Festplatten so machen, von nix über blockiertes Motorbrummen bis zum allseits bekannten "shhhhh... Klack. shhhhh... Klack. shhhhh...". Was ich tatsächlich zu hören bekam, trieb mir ein bisschen Freudenpipi in die Augen:

Eine erster Blick in die vertraut chaotischen Verzeichnisse versprach mir ebenfalls: "Es ist alles da." Nun konnte ich nicht anders als alles andere stehen und liegen zu lassen und sofort mit einer Sicherung zu beginnen - nicht, dass dies das letzte Aufbäumen des Grillgutes war und danach nie wieder anläuft...

Was folgte, war eine 20 stündige Kopieraktion, in der gesichert wurde, was die Platten hergaben. Und gaben reichlich! Alle Platten rochen im Betrieb wie altes Barbeque aber sie liefen, als wäre nichts gewesen! Nach endlosem Wartebalkenglotzen und Schimpfen über Windows' schlicht gelogenen Zeiteinschätzungen hatte ich dann endlich die Gewissheit: Alles wieder da!

Danach trafen wir uns feierlich in meinem Wohnzimmer und lauschten andächtig unseren letzten Aufnahmen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn auch wenn wir sie jetzt wiederhaben, fehlen uns die Instrumente, mit denen wir sie eingespielt haben. Ein wenig traumalösend war es, denn den Paralysezustand haben wir immer noch nicht wirklich überwunden.

Und auch wenn wir irgendwann Ersatz für alles gefunden haben, wird es ganz anders klingen, wir können also höchstwahrscheinlich nicht dort anknüpfen, wo wir schon waren, sondern beginnen mit den Aufnahmen wieder einmal von vorn.

Nichts desto trotz haben wir schon fast einen Plan, was wir mit den "alten" Recordings anfangen, dazu aber später mehr...